Vitalstoffe

Vitalstoffe, die BASIS unserer Gesundheit

Wie steht es um unsere Vitalstoffversorgung? Leider nicht gut, wie viele nationale Untersuchungen immer wieder zeigen. Die meisten von uns sind unter- oder zumindest nicht optimal versorgt.

Warum? Es ist heute kaum noch möglich, sich wirklich gut zu ernähren. Die meisten Lebensmittel sind industriell verarbeitet, viele Böden sind ausgelaugt, Obst und Gemüse wird größtenteils in Massenproduktion hergestellt und auch noch zu früh geerntet und Tausende Kilometer transportiert. Zudem entspricht unser Ernährungsverhalten nicht dem erhöhten Bedarf, der durch psychische und körperliche Anforderungen, Krankheiten oder Umweltverschmutzung entsteht.

Vitalstoffe, also Vitamine, Mineralien, sekundäre Pflanzenstoffe & Co. sind an all unseren Stoffwechselvorgängen beteiligt. Sie geben uns Energie, organisieren unser Immunsystem und halten uns in Stimmung. Kurz und gut: Vitalstoffe sind die Grundlage für unsere Gesundheit. Deshalb ist eine gesunde Ernährung mit viel Kräutern, Obst und Gemüse so wichtig für unsere Gesundheit! Leider wird mit der heutigen "normalen" Ernährung dem Körper nicht ausreichend zugeführt. Aber es gibt eine Lösung des Problems. Vitalstoffkonzentrate, mit welchem die Mängel sehr leicht ausgeglichen werden können. Selbstverständlich sollten diese 100% natürlich sein, aus ökologisch-biologischem Anbau und die höchsten Anforderungen aus ernährungsphysiologischer Sicht entsprechen!

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Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente sind nicht ALLES!

Beachtenswert ist hierbei auch, dass ausser Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen gibt es noch andere sehr wichtige Substanzen welche für die Versorgung unseres Körpers von enormer Bedeutung sind wie etwa Flavonoide

Die natürlichen Flavonoide der Pflanzen zählen zu den Substanzen, die den Oxidationsstoffwechsel der Zelle beeinflussen. Sie werden meist aus der weissen Schalenhaut von Zitrusfrüchten gewonnen. Zu den wichtigsten Bioflavonoiden zählen Hesperidin, Rutin und das mit Rutin eng verwandte Querketin. Man sollte Vitamin C nicht allein als Ascorbinsäure zu sich nehmen, sondern immer in Verbindung mit Bioflavonoiden, wie es natürlicherweise ja auch der Fall ist, wenn man z. B. Obst isst. Die Bioflavonoide verhindern nämlich, dass das Vitamin C im Körper oxidiert wird.

Die in der Pflanzenwelt weit verbreiteten Flavonoide wirken auf die Durchlässigkeit von Gefäßwänden und wurden dementsprechend Vitamin P (permeabilität = Durchlässigkeit) genannt. Die Bioflavonoide normalisieren die Durchlässigkeit von Kapillaren, den kleinen Blutbahnen. In Modellversuchen ergänzen und verstärken sich die Wirkungen von Vitamin C und Bioflavonoiden. Die Vitamin-C-Wirkung kann durch Zusatz von Flavonoiden um das Zwanzigfache erhöht werden. Es ist zweifellos, dass es nicht reicht, irgendwelche Vitamine & Co. chemisch herzustellen und in dieser Form dem Körper zuzuführen.Die gesamte Pflanze ist wichtig, mit all ihren Inhaltsstoffen, weil so oft erst die Kombination all dieser Vitalstoffe richtige Gesundheit bewirken.

Wie wirkt sich das Vorhandensein oder der Mangel bestimmter Vitalstoffe auf unsere Gesundheit aus?

Beispiele:

1 ) KONJUGIERTE LINOLSÄURE

2 ) OMEGA 3 SÄUREN

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1) Conjugated Linoleic Acid - CLA - Die konjugierte Linolsäure

Die konjugierte Linolsäure bekämpft Krebs, Herzkrankheiten und vieles mehr

In der grenzenlosen Variabilität molekularer Strukturen können scheinbar völlig unbedeutende Veränderungen derart weitreichende Folgen haben, dass sie über Gesundheit und Krankheit, ja u. U. über Leben und Tod entscheiden können. Schauen wir uns z. B. einmal die Linolsäure an. Sie ist eine der essentiellen Fettsäuren, d. h. dass unser Körper sie braucht, sie aber nicht selbst produzieren kann, so dass sie in ausreichender Menge mit der Nahrung zugeführt werden muss. Ohne eine bestimmte tägliche Menge an Linolsäure wird uns die Aufrechterhaltung unserer Gesundheit nicht gelingen, da sie zur Bildung der Zellmembranen sowie als Vorstufe zu anderen Substanzen wie z. B. der Prostaglandine (PG, Sammelbezeichnung für zahlreiche natürliche (od. teilsynthetisch hergestellte) hormonähnliche Substanzen (Gewebehormone bzw. Mediatorstoffe), die in ihrer Struktur geringfügig variieren, chem. Derivate der Prostansäure), benötigt werden.

Von der einfachen zur konjugierten Linolsäure

Wie alle chemischen Substanzen hat auch die Linolsäure eine spezifische molekulare Struktur, die all ihre physischen und chemischen Eigenschaften bestimmen. Diese wiederum determinieren ihre biologische Aktivität, wie z. B. ihre Wirkung und Auswirkung auf die Physiologie eines lebenden Organismus. Obwohl die Linolsäure für unsere Gesundheit unentbehrlich ist, so hat sie doch auch einen Nachteil: Hohe Dosierungen können krebserregend wirken - jedenfalls bei Labortieren. Wird jedoch eine geringfügige Veränderung in der molekularen Struktur der Linolsäure vorgenommen, dann geschieht etwas ganz besonderes: Sie entwickelt plötzlich krebsbekämpfende Eigenschaften. Der kleine Unterschied spiegelt sich in der Namensgebung indem aus der Linolsäure die konjugierte Linolsäure (CLA = Conjugated Linoleic Acid) wird. Faktisch handelt es sich um eine Mischung eng verwandter Moleküle die alle die gleiche chemische Formel haben, aber unterschiedliche molekulare Strukturen aufgrund unterschiedlicher Anordnungen einzelner Atome in den Molekülen. Diese Abweichungen werden als Isomere bezeichnet um schliesslich gemeinschaftlich die konjugierte Linosäure (CLA) zu konstituieren. CLA ist eine bemerkenswerte Substanz, die, wie manche Wissenschaftler meinen, eine für den Menschen bis heute weitestgehend übersehene Nahrungsmittelquelle bildet. In unserem Körper wird ein Teil der zugeführten CLA zur Synthese von Phospholipiden als strukturelle Komponenten zur Erneuerung der Zellmembranen verwendet. Obwohl CLA nicht in dem Sinne als essentiell zu bezeichnen ist wie dies für die Linolsäure gilt, so ist sie doch aufgrund ihrer vielfältigen Wirkungsweise für die Gesundheit unentbehrlich.

Die konjugierte Linolsäure im Kampf gegen Krebs

Untersuchungen mit CLA haben diese im Kampf gegen den Krebs als sehr wirksam gezeigt und die Wissenschaftler sind erstaunt, dass sich diese Wirkung auf wesentlich niedrigerer Ebene zeigt, als dies für die meisten anderen bekannten Anticarcinogene der Fall ist. CLA ist die einzige Fettsäure die bei Tieren in unvergleichbarer Weise die Entstehung von Krebs zu verhindern vermag. So konnte z. B. bei Mäusen beobachtet werden wie die Entstehung von Krebs an Haut, Magen, Leber, Lunge und Brust durch Gaben von CLA hatte verhindert werden können. Es gibt bis heute nur wenige klinische Untersuchungen mit CLA am Menschen, jedoch konnte die krebsbekämpfende Eigenschaft der CLA speziell im Hinblick auf Prostata- und Brustkrebs durch Experimente mit menschlichen Krebszellen in vitro, d. h. "im Glas" bezw. im Laboratorium bestätigt werden.2 Bisher war man davon ausgegangen, dass die krebsbekämpfenden sowie weiteren therapeutischen Eigenschaften der konjugierten Linolsäure auf deren antioxidative Wirkung zurückzuführen sei. Neuere Untersuchungen konnten dies jedoch nicht bestätigen.1 Es gibt viele Annahmen in Bezug auf die Wirkungsweise der CLA, aber bis heute keine klaren Antworten.

Die konjugierte Linolsäure verhindert Atherosklerose

Eine weitere nutzvolle Eigenschaft der CLA ist ihre Fähigkeit zur Verhinderung von Atherosklerose durch Verringerung der im Blut zirkulierenden Lipide (Fette) wie Cholesterol und Triglyceride, die weitestgehend für oxidative Schädigungen durch freie Radikale verantwortlich sind. Diese lipidsenkende Eigenschaft der CLA konnte inzwischen bei Mäusen, Ratten, Kaninchen, Hühnern, Hamstern und anderen Tieren beobachtet werden.1 Nahrungsergänzungen mit CLA konnte bei diesen Tieren einen bemerkenswerten Rückgang an atherosklerotischen Schädigungen, d. h. Schädigungen an arteriellen Gefäßwänden die zur Bildung von gefährlichen Ablagerungen führen, bewirken. Beide Wirkungen - Lipidsenkung und Schutz vor atherosklerotischen Schädigungen - sind wichtige Instrumente im Kampf gegen Herzattacken und Schlaganfälle.

Die konjugierte Linolsäure bekämpft Diabetes

CLA zeigte sich bei Diabetes belasteten Tieren in der Lage, die Glukoseverträglichkeit (besonders hohe Glukosewerte nach der Nahrungsaufnahme) zu normalisieren, bei gleichzeitiger Reduzierung überhöhter Insulinwerte die als Reaktion auf die überhöhten Glukosewerte auftreten.1 Mit anderen Worten hilft CLA den Tieren, bei genannter Problematik die Glukose effektiver zu verwerten. Beim Menschen ist diese Problematik mit zunehmendem Alter, selbst wenn keine Diabetes vorliegt, immer häufiger zu beobachten.

Konjugierte Linolsäure erhöht das Muskel zu Fett Verhältnis

Eine Vielzahl von Untersuchungen mit Labortieren hat gezeigt, dass CLA die körperliche Entwicklung auf vielfältige Weise beeinflussen kann. Dies gilt speziell für die Verringerung von Körperfett und einer Zunahme der Muskel- und Fleischmasse. In einer dieser Studien zeigten ergänzend mit CLA gefütterte Mäuse im Vergleich mit einer Kontrollgruppe einen dramatischen Rückgang ihres Körperfettes (57% bei den männlichen und 60% bei den weiblichen Tieren) und eine bemerkenswerte Zunahme in Muskel- und Fleischmasse (5% bei den männlichen und 14% bei den weiblichen Tieren).3 Dabei zeigte sich das Körpergewicht der Tiere unverändert. Mit anderen Worten wurde der Fettverlust bis zu einem gewissen Grade durch eine Zunahme der Muskelmasse kompensiert.

Erste klinische Untersuchungen am Menschen

Nach zwei Jahrzehnten intensiver Untersuchungen mit CLA an Tieren, werden jetzt auch am Menschen erste klinische Untersuchungen durchgeführt. Eine Gruppe schwedischer Wissenschaftler veröffentlichte kürzlich die Resultate einer doppelblinden, placebokontrollierten Untersuchung der Wirkung von CLA auf Fettleibigkeit beim Menschen.4 In einem Zeitraum von 4 Wochen erhielten 24 Männer im Alter zwischen 39 und 64 Jahren täglich 4,2 g CLA oder ein Placebo zur Feststellung der Wirkung von CLA auf das Körperfett und andere cardiovaskuläre Risikofaktoren. Keiner der teilnehmenden Männer hatte irgendwelche Herzprobleme oder Typ 2 Diabetes, litten jedoch unter Dickbäuchigkeit und zeigten Anzeichen des Stoffwechselsyndroms. Dabei handelt es sich beim sog, Stoffwechselsyndrom um eine Gruppe von Individuen mit Dickbäuchigkeit, hohen Cholesterol- und Triglyceridwerten, hohem Blutdruck und hohen Blutzuckerwerten. Die Ergebnisse zum Fettverlust stimmten mengenmässig weitestgehend mit den Ergebnissen der Tierversuche sowie mit den Ergebnissen einer anderen kontrollierten Untersuchung mit gesunden Menschen, bei der die CLA-Gruppe als Ergebnis ebenfalls verringertes Körperfett zeigte.

Nahrungsquellen für die konjugierte Linolsäure

Die meisten krebsbekämpfenden und vor Krebs schützenden Substanzen finden sich in Pflanzen. CLA jedoch findet sich fast ausschließlich in tierischen Produkten (Fleisch und Milch unserer Wiederkäuer), obwohl es in geringen Mengen in bestimmten vegetabilen Ölen vorkommt. Wissenschaftler glauben, dass bestimmte Mikroorganismen im Magen der Tiere zugeführte Linolsäure in die konjugierte Form überführen. In geringeren Mengen wird es auch bei anderen Tieren wie Schweinen und Hühnern gefunden. Meeresfrüchte enthalten CLA nur in sehr geringen Mengen. Wird Fleisch gekocht, dann erhöht sich der Gehalt an CLA. CLA wurde erstmals vor gut zwei Jahrzehnten von Dr. Michael Pariza an der Universität von Wisconsin aus Hamburgern isoliert. Die wichtigsten Nahrungsquellen des Menschen für CLA sind Milch, Käse und Yoghurt. CLA kommt auch in der menschlichen Muttermilch und im Blut vor.

Unsere Nahrung enthält zu wenig konjugierte Linolsäure

Der Gehalt an CLA konzentriert sich im wesentlichen auf das Milchfett, so dass aus der Milch abgeleitete fettarme tägliche Nahrungsmittel nur noch wenig CLA enthalten. Aus diesem Grund und aus der Überlegung, dass unsere Ernährung im Hinblick auf eine optimale Gesundheit bisher noch nie ausreichend CLA enthalten hat, scheint eine Nahrungsergänzungs mit CLA, aber ohne das Milchfett die beste Lösung zu sein.

Literatur: 1. PDR for Nutritional Supplements. Medical Economics Company, Inc., Montvale, NJ, 2001. 2. MacDonald HB. Conjugated linoleic acid and disease prevention: a review of current knowledge. J Am Coll Nutr 2000;19(2):111S-118S. 3. Park Y, Albright KJ, Liu W, Storkson JM, Cook ME, Pariza MW. Effect of conjugated linoleic acid on body composition in mice. Lipids 1997;32:853-8. 4. Riserus U, Berglund L, Vessby B. Conjugated linoleic acid (CLA) reduced abdominal adipose tissue in obese middle-aged men with signs of the metabolic syndrome: a randomized controlled trial. Int J Obes 2001;25:1129-35. 5. Smedman A, Vessby B. Conjugated linoleic acid reduces the body fat content in humans (abstract). Chem Phys Lipids 1999;101:A152. 6. Zambell et al. Conjugated linoleic supplementation in humans: effects on body composition and energy expenditure. Lipids 2000;35(7):777-82.

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2) OMEGA 3 Säuren

Die Revolution der Omega-3-Fettsäuren:
Die Ernährung des emotionalen Gehirns
Die neue Medizin der Emotionen Seite 1 von 1
Stress, Angst, Depression: Gesund werden ohne Medikamente
Von David Servan-Schreiber (Paris, 2003)

TRAURIGE GEBURT

PATRICIA WAR DREISSIG, als ihr zweiter Sohn zur Welt kam, genau ein Jahr nach dem ersten. Ihr Lebensgefährte Jacques war richtig stolz und glücklich. Das vergangene Jahr mit ihrem ersten Kind War eine Abfolge kleiner, alltäglicher Glücksmomente gewesen, und den kleinen Paul, der die junge Familie vervollständigensollte, hatten sie sehnsüchtig erwartet. Doch Jacques war überrascht: Patricia wirkte nicht besonders glücklich. Sie war sogar etwas mürrisch. Sie interessierte sich kaum für Paul, wollte allein gelassen werden, fuhr leicht aus der Haut und weinte manchmal ohne Grund. Selbst das Stillen, das ihr beim ersten Baby so gut gefallen hatte, erschien ihr nun als lästige Pflicht.
Wie ungefähr jede zehnte junge Mutter litt Patricia am "Baby-Stress" einer postnatalen Depression, die umso verwirrender ist, da sie an die Stelle des Glücks tritt, das gewöhnlich die Geburt eines neuen Menschen vom eigenen Fleisch und Blut begleitet. Da es dem Baby bestens ging, die Paarbeziehung harmonisch war und Jacques' Restaurant zunehmend Erfolg hatte, konnten weder er noch Patricia diese plötzliche Traurigkeit verstehen. Die Ärzte hatten wohl versucht, sie mit dem Hinweis auf "Veränderungen des Hormonhaushalts" zu beruhigen, zu denen es im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft und vor allem der Niederkunft kommt, doch das hatte sie nicht wirklich trösten können.
Seit etwa zehn Jahren haben sich in Hinblick auf Patricias Problem völlig neue Perspektiven aufgetan: Sie lebte in New York, wo die tägliche Aufnahme eines der für das Gehirn wichtigsten Nährstoffe, der so genannten essentiellen Omega-3-Fettsäuren, besonders niedrig ist, wie übrigens auch in Frankreich und Deutschland. Diese Fettsäuren kann der Körper nicht selbst produzieren (daher die Bezeichnung "essentiell"), sie sind jedoch für den Aufbau und die Balance des Gehirns so wichtig, dass der Fötus sie bevorzugt auf dem Weg über die Plazenta absorbiert. Damit fallen die Reserven der Mutter, die in unserer westlichen Zivilisation ohnehin schon gering sind, im Verlauf der letzten Schwangerschaftswochen dramatisch ab.
Nach der Geburt werden die Omega-3-Fettsäuren als einer der wichtigsten Bestandteile der Muttermilch weiterhin vorzugsweise an den Säugling weitergegeben. Dadurch wird das Defizit bei der Mutter weiter verstärkt. Folgt auf die erste Geburt, wie im Falle Patricias, rasch die zweite, und umfasste ihre Ernährung in der Zwischenzeit wenig Fisch und Krustentiere (die Hauptquellen für Fettsäuren), verliert die Mutter nach der zweiten Schwangerschaft so viel Omega-3, dass das Risiko einer Depression für sie sehr gross wird.
In Japan, Singapur oder Malaysia ist die postnatale Depression drei- bis zwanzigmal seltener als in Deutschland, Frankreich und den USA. Diese Zahlen spiegeln laut Lancet den Unterschied zwischen diesen Ländern wider, was den Verzehr von Fisch und Krustentieren angeht, und können nicht einfach durch eine Neigung der Asiaten erklärt werden, Symptome einer Depression zu verheimlichen. Hätten Jacques und Patricia in Asien statt in New York gewohnt, hätte sie ihre zweite Schwangerschaft vielleicht anders erlebt ... Und warum dies so ist, sollte man unbedingt wissen.

DAS SCHMIERÖL DES GEHIRNS

Das Gehirn ist ein Teil des Körpers. Wie die Zellen aller anderen Organe erneuern auch die des Gehirns fortwährend ihre Bestandteile. Die Zellen von morgen bestehen also aus dem, was wir heute essen. Nun besteht das Gehirn zu zwei Dritteln aus Fettsäuren. Sie sind die Grundbausteine der Membran der Nervenzellen, ihrer "Hülle", über die jegliche Kommunikation zwischen allen Nervenzellen in allen Bereichen des Gehirn und des Körpers verläuft. Was wir essen, wird unmittelbar in diese Membran aufgenommen und bildet deren Grundsubstanz.
Verzehren wir vor allem "gesättigte" Fettsäuren - sie sind wie Butter oder tierische bei Zimmertemperatur fest - , dann spiegelt sich diese Starrheit, in einer Steifheit der Gehirnzellen wider. Essen wir hingegen vor allem "mehrfach ungesättigte" Fettsäuren - sie sind bei Raumtemperatur flüssig - , dann sind die Hüllen der Gehirnzellen glatter und geschmeidiger; zwischen ihnen verläuft die Kommunikation besser. Vor allem, wenn es sich um Omega-3-Fettsäuren handelt. Die Auswirkungen auf das Verhalten sind alles andere als geringfügig.
Lässt man bei der Ernährung von Laborratten dieOmega-3-Fettsäuren weg, dann ändert sich deren Verhalten binnen einiger Wochen völlig: Sie werden ängstlich, erlernen keine neuen Aufgaben mehr und geraten in Stresssituationen in Panik (etwa wenn sie sich aus einem Wasserbecken retten und dazu die Rettungsplattform finden sollen).
Schwerer wiegt möglicherweise noch, dass eine Ernährung mit wenig Omega-3 die Lustempfindung verringert. Die Nagetiere benötigen weit höhere Morphiumdosen, damit sie sich einstellt, während diese Droge doch geradezu das Symbol für leicht zugängliche Lust ist. Demgegenüber hat eine Gruppe französischer Forscher gezeigt, dass eine Omega-3-reiche Ernährung - wie die der Eskimos, die täglich bis zu 16 Gramm Fischöl verzehren - langfristig die Produktion der Neurotransmitter für Energie und gute Stimmung im emotionalen Gehirn1 ansteigen lässt. Fötus und Neugeborenes, deren Gehirn sich in voller Entwicklung befindet, benötigen die Omega-3-Fettsäuren am dringendsten. Wie eine kürzlich im British Medical Journal veröffentlichte dänische Studie feststellte, haben Frauen, die während der Schwangerschaft mehr Omega-3 zu sich nehmen, öfter Kinder mit einem normalen Geburtsgewicht und neigen auch weniger zu Frühgeburten.
Eine weitere dänische Untersuchung, im Journal of the American Medical Association erschienen, zeigt, dass Säuglinge, die nach der Geburt mindestens neun Monate gestillt wurden - und damit eine grössere Menge Omega-3 zu sich genommen haben -‚ zwanzig und dreissig Jahre später bessere intellektuelle Leistungen aufweisen als andere.2 Und Frauen in Ländern,in denen sehr viel Fisch konsumiert wird, deren Milch folglich besonders viel Omega-3 enthält, leiden deutlich seltener unter einer postnatalen Depression. Doch die Bedeutung der Omega-3-Fettsäuren beschränkt sich bei weitem nicht auf dieSchwangerschaft.

1 Das betrifft vor allem Dopamin, den Botenstoff, der dafür verantwortlich ist, dass Kokain und Amphetamine Euphorie und einen Energieschub auslösen. 2 Natürlich kann man den höheren IQ auch durch viele andere Faktoren erklären, etwa dadurch, dass Kinder, die länger gestillt werden, eine bessere emotionale Beziehung zu ihren Müttern haben und so weiter. Doch bei den Forschern besteht Einigkeit, wie wichtig eine ausreichende Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren für die Gehirnentwicklung des Neugeborenen ist.

BENJAMINS GEFÄHRLICHE ENERGIE

Anfangs hatte Benjamin keine Ahnung, was ihm eigentlich fehlte. Er, der gewöhnlich über so viel Energie verfügte - er leitete das biochemische Labor eines grossen multinationalen Pharmaunternehmens -, fühlte sich müde, antriebslos. Mit seinen fünfunddreissig Jahren hatte er noch nie gesundheitliche Probleme gehabt, und so sagte er sich, es sei vielleicht eine verschleppte Virusinfektion.
Sobald er in seinem Büro angelangt war, schloss er die Tür und ging seinen Kollegen und Mitarbeitern aus dem Weg. Er hatte sogar seine Assistentin gebeten, einige wichtige Besprechungen unter dem Vorwand abzusagen, er sei zu beschäftigt. Mit der Zeit wurde sein Verhalten immer merkwürdiger. Konferenzen, an denen er unbedingt teilnehmen musste, waren ihm höchst unangenehm. Zunehmend hatte er das Gefühl, inkompetent zu sein und damit furchtbar aufzufallen.
Alle schienen besser informiert zu sein als er, kreativer, dynamischer. Er glaubte, es sei nur eine Frage der Zeit, bis man herausfand, dass all seine früheren Erfolge nur dem Glück oder den Beiträgen seiner Mitarbeiter zu verdanken waren. Wieder im Büro, verriegelte er gelegentlich die Tür und weinte, fand es aber gleichzeitig lächerlich, sich derart gehen zu lassen. Er rechnete damit, von einem Tag auf den anderen entlassen zu werden und fragte sich, was er seiner Frau und den Kindern sagen sollte. Doch dann beschloss Benjamin - schliesslich war er Arzt, und sein Unternehmen stellte ein häufig verschriebenes Antidepressivum her -, sich das Medikament selbst zu verordnen. Kaum zwei Wochen später fühlte er sich schon viel besser. Er nahm ganz normal seine Arbeit wieder auf und dachte, die Angelegenheit hinter sich zu haben.
In Wahrheit stand er am Rande des Abgrunds. Da das Medikament sehr wirksam schien, er aber gelegentlich doch Leistungsschwächen zeigte, verdoppelte er die Dosis. Damit ging es tatsächlich noch besser. Zu dieser Zeit schlief er nur noch vier Stunden pro Nacht und holte alles nach, was er im Lauf der letzten Monate bei seinen Projekten versäumt hatte. Zudem fühlte er sich besonders glücklich, lächelte ständig und brachte mit seinen ein wenig anzüglichen Scherzen all seine Mitarbeiter zum Lachen. Eines Abends, als er länger geblieben war und zusammen mit einer jungen Assistentin noch etwas erledigte, hatte diese sich über seinen Schreibtisch gebeugt, um eine Akte aufzunehmen. Mit Blick auf ihr Dekolletè hatte er bemerkt, dass sie keinen BH trug. Plötzlich hatte er grosse Lust auf sie verspürt und seine Hand auf ihre gelegt. Sie liess ihn gewähren, und in dieser Nacht kam er nicht nach Hause.
Dieser Fall von Machtmissbrauch am Arbeitsplatz wäre nicht besonders ungewöhnlich gewesen, hätte er sich nicht noch in der gleichen Woche mit einer Laborantin und ein paar Tage später mit einer Sekretärin wiederholt. Benjamin spürte eine solche sexuelle Energie in sich, dass es ihm unvorstellbar schien, sie zügeln zu wollen. Und er dachte keinen Augenblick an das, was er den Mitarbeitern seines Teams antat. Doch seine Mitarbeiterinnen verurteilten seine unziemlichen Avancen sehr schnell. Vor allem, weil sie nicht wirklich frei waren, "nein" zu sagen, wie das in solchen Situationen immer der Fall ist. Und die Eskapaden Benjamins endeten hiermit beileibe nicht.
Er war reizbar geworden, und seine Frau, die allmählich Angst bekam, hatte keinerlei Einfluss mehr auf ihn. Er hatte sie gezwungen, eine Hypothek auf ihr Haus mit zu unterzeichnen, damit er sich ein Sportcabriolet leisten konnte, und anschliessend hatte er all ihre Ersparnisse in katastrophale Börsenengagements gesteckt. Doch Benjamins Reputation war so gross und seine Arbeitsproduktivität weiterhin so hoch, dass niemand wagte, ihn zur Rede zu stellen. Erst an dem Tag, als eine seiner Mitarbeiterinnen von seinen Annäherungsversuchen und seinen sexistischen Äusserungen genug hatte, brach alles zusammen.
Nach einer langen Auseinandersetzung mit der Unternehmensleitung - die Benjamin um jeden Preis halten wollte - besiegelte ihre belastende Aussage das Ende seiner glänzenden Karriere - und seiner Ehe. Und das war erst der Anfang eines langen Leidenswegs. Nachdem er mit dem Rücken zur Wand stand, willigte Benjamin ein, einen Psychiater aufzusuchen, und dessen Diagnose war eindeutig. Benjamin war manisch-depressiv - für diese Erkrankung ist ein ständiges Hin und Her zwischen Phasen der Depression und solchen der "Manie" charakteristisch, in denen die moralische und finanzielle Urteilsfähigkeit vollkommen versagen und der Betreffende allein von einem schrankenlosen Hedonismus des Augenblicks getrieben wird. Oft werden diese manischen Phasen erstmals durch die Einnahme eines Antidepressivums ausgelöst.
Sobald Benjamin das Medikament abgesetzt hatte und dafür ein Beruhigungsmittel einnahm, gingen seine Stimmung und seine überschiessende Energie wieder auf ein normales Mass zurück. Da ihm nun aber der künstliche Wind fehlte, der seine Segel gebläht hatte, wurde ihm bewusst, was für eine dramatische Wendung sein Leben genommen hatte, weshalb er schnell wieder in eine Depression zurückfiel. Dieses Mal hatte er gute Gründe, sein Schicksal zu beklagen. Über Monate und Jahre hinweg stürzten ihn die unterschiedlichen Medikamente, die man ihm empfahl immer wieder nur in die Manie oder die Depression. Zudem reagierte er sehr empfindlich auf die Nebenwirkungen dieser Moleküle. Die Stimmungsdämpfer, die man nacheinander ausprobierte, liessen ihn an Gewicht zunehmen, während er sich gleichzeitig ungemein "gebremst", ja, fast erschöpft fühlte, und das sogar bei ganz normaler Dosierung.
Antidepressiva hingegen raubten ihm den Schlaf und beeinträchtigten sofort sein Urteilsvermögen. Auf Grund seiner Vorgeschichte, die überall in seinen beruflichen Kreisen bekannt war, und wegen seines ständigen Kampfes gegen die Depression hatte er keine Stelle mehr finden können und lebte von der Rente, die seine Krankenversicherung auszahlte. Doch alles änderte sich an dem Tag, an dem sein Psychiater, der an dem Fall schier verzweifelte, ihm eine Behandlung empfahl, die er gerade in einer Studie in der wichtigsten Zeitschrift Die experimentelle Psychiatrie entdeckt hatte, den Archives of General Psychiatry.
Benjamin, der kein einziges Medikament mehr einnahm und weiterhin mehrmals pro Woche ohne Grund weinte, willigte ohne Zögern ein, täglich neun Kapseln - drei vor jeder Mahlzeit - eines Fischölextrakts zu schlucken. Das war der entscheidende Wendepunkt. In wenigen Wochen war seine Depression vollständig verschwunden. Noch eindrucksvoller war, dass er das ganze folgende Jahr hindurch nur eine einzige Phase von mehreren Tagen erlebte, in der er einen ungewöhnlichen Überschuss an Energie verspürte.
Zwei Jahre nach Beginn dieser Behandlung nimmt Benjamin nach wie vor keine anderen Medikamente mehr zu sich als seine Fischölkapseln. Seine Frau und seine Töchter sind nicht mehr zu ihm zurückgekehrt, aber er hat im Labor eines früheren Kollegen wieder zu arbeiten begonnen. Angesichts seiner Begabung habe ich keinen Zweifel, dass er den beruflichen Schwung seiner ersten Jahre wieder finden wird.
Dr. Andrew Stoll in Harvard zeigte als Erster, wie wirksam Fischöl mit einem hohen Anteil an Omega-3 für die Stabilisierung der Stimmung und die Linderung der Depression bei manisch-depressiven Patienten ist. In seiner Studie erlitt nur einer aus der Patientengruppe, die Omega-3 einnahm, einen Rückfall. Die Ergebnisse dieser Studie waren so überzeugend, dass die Forscher sie nach vier Monaten abbrechen mussten. Denn die Patienten der Kontrollgruppe - sie erhielten lediglich ein Placebo auf der Basis von Olivenöl - erlitten so viel schneller als die der Omega-3-Gruppe Rückfälle, dass es dem ärztlichen Ethos zuwidergelaufen wäre, ihnen das Medikament länger vorzuenthalten.
Nachdem Dr. Stoll die Mechanismen der Stimmungen und der Depression jahrelang studiert hatte, war er so beeindruckt von der Wirkung von Omega-3, dass er beschloss, ein Buch zu diesem Thema zu schreiben. Wie sich mittlerweile herausgestellt hat, beschränkt sich der Nutzen von Omega-3 nicht auf die Behandlung von manischdepressiven Erkrankungen.

ELEKTROSCHOCKS VERSUS FISCHÖL   

Als Keiths Professoren ihm empfahlen, sein College-Studium aufzugeben, weil seine intellektuellen Leistungen so sehr nachgelassen hätten, waren seine Eltern ernstlich beunruhigt. Keith mit seinem weichen Gesicht und seiner lebhaften Intelligenz fühlte sich seit mindestens fünf Monaten nicht mehr wohl in seiner Haut. Seine Eltern hatten es auf eine schwierige Phase der Pubertät geschoben, die vielleicht schon etwas zu lange anhielt.
Trotz seiner extremen Schüchternheit und Verdriesslichkeit war Keith stets ein guter Schüler gewesen; er hing sehr an seiner Mutter und suchte immer deren Nähe. Doch im Lauf der letzten Monate hatte er sich zunächst geweigert, in der Cafeteria seines Colleges zu essen - die Anwesenheit so vieler fremder Leute war ihm unangenehm - , dann hatte er plötzlich Angstanfälle bekommen, wenn er öffentliche Verkehrsmittel benutzen sollte. Er war schrecklich böse auf sich und wütete gegen sich selber. Täglich machte er sich grössere Sorgen um seine Zukunft und schlief sehr schlecht. Tagsüber hatte er keine Energie mehr und schaffte es nicht, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren. Da er sich immer an seine schulischen Leistungen geklammert hatte, um sich im Verhältnis zu anderen zu definieren, fühlte er sich heillos verloren und spielte ernsthaft mit dem Gedanken an Selbstmord.
Zunächst behandelte man ihn zwei Jahre lang mit einer ganzen Palette von Antidepressiva, Beruhigungsmitteln und - weil diese "leichteren" Medikamente versagten - mit starken Tranquilizern. Als er zusätzlich zu seinem Antidepressivum noch zwei Monate lang Lithium (die bevorzugte Behandlung bei Manisch-Depressiven) einnahm, änderte das auch nichts. In ihrer Verzweiflung befolgte Keiths Mutter den Rat seines Psychiaters und wandte sich an einen Spezialisten für biologische Psychiatrieam Hammersmith Hospital in London.
Auf Grund der Schwere von Keiths Symptomen war Dr. Puri äusserst besorgt. Bei einem Test zur Messung des Grades der Depression hatte er den höchsten Wert erzielt, den der Arzt je gesehen hatte. Zudem sprach Keith nun offen über seine Selbstmordabsichten, und das mit einer Distanz zu sich selber, die einem kalte Schauer über den Rücken jagte: "Ich muss doch ohnehin eines Tages sterben, was bringt es da, wenn ich warte? Warum soll ich noch lange so leiden? Lasst mich sterben, bitte." Der Arzt wusste, nach all den Misserfolgen würde eine so tiefe und anhaltende Depression vielleicht nur noch durch eine Behandlung zu beheben sein: durch Elektroschocks.
Keith und seine Mutter widersetzten sich dem jedoch entschieden. Dr. Puri schätzte die Lage ab. Wegen Keiths ernstem Zustand hätte er ihn gegen seinen und den Willen seiner Mutter in die Klinik einweisen und ihn mit Elektroschocks behandeln können ... Das hätte er sicherlich auch getan, wäre ihm nicht ganz vage eine andere Möglichkeit in den Sinn gekommen. Wenn man berücksichtigte, wie Keith sich ganz im Stil Heranwachsender ernährte und dass er ausserdem auf keine Behandlung angesprochen hatte, lag vielleicht ein Defekt im Gewebe seiner Neuronen vor.
Fasziniert von den Ergebnissen einer Studie über den Einfluss von Omega-3 auf die Depressionen schizophrener Patienten, an der er selbst beteiligt gewesen war, sowie jenen, die Dr. Stoll bei manisch-depressiven Patienten gefunden hatte, schlug Dr. Puri seinem jungen Patienten einen Handel vor. Er erklärte ihm, er habe gute Gründe für die Annahme, dass ihm mit einer neuen Behandlung auf der Basis gereinigten Fischöls geholfen werden könne. Das bleibe zwar höchst ungewiss, da Keith seines Wissens der erste Kranke mit einer schweren chronischen Depression wäre, der sich dieser Prozedur unterzöge. Wenn er ihm aber feierlich verspreche, in den folgenden acht Wochen unter keinen Umständen einen Selbstmordversuch zu unternehmen und die ganze Zeit über in der Obhut seiner Mutter zu bleiben, dann werde er das Risiko eingehen, ihn auf diese Weise zu behandeln.
Dr. Puri setzte, abgesehen von dem letzten Antidepressivum, das Keith seit zehn Monaten einnahm, alle Medikamente ab. Stattdessen verabreichte er ihm täglich einige Gramm gereinigten Fischöls, um die Membranen seiner Neuronen zu regenerieren. Die Ergebnisse waren Aufsehen erregend. Binnen einiger Wochen verschwanden die Selbstmordgedanken, von denen Keith seit mehreren Monaten unaufhörlich heimgesucht worden war, vollständig. Ebenso verflüchtigten sich seine Hemmungen in Gegenwart von Leuten, die er nicht kannte, und er konnte endlich wieder schlafen. Neun Monate darauf hatten sich alle Symptome seiner Depression aufgelöst, die ihn seit sieben Jahren gequält hatte. Sein Wert auf der Depressionsskala betrug nun ... null.
Dr. Puri ist nicht nur Psychiater, sondern auch Mathematiker, zudem Spezialist für die bildliche Darstellung von Gehirnfunktionen; das Hammersmith Hospital seinerseits ist eines der wichtigsten Forschungszentren auf diesem Gebiet. Ehe Dr. Puri Keith behandelte, steckte er ihn in mehrere Scanner, um Bilder seines Gehirns zu erhalten. Als er neun Monate später die Untersuchungen wiederholte, konnte er feststellen, dass der Gehirnstoffwechsel des jungen Mannes sich von Grund auf verändert hatte: Die Membranen der Neuronen hatten sich nicht nur verstärkt, sie wiesen auch keine Anzeichen eines Abbaus mehr auf ... Die Struktur des Gehirns seines Patienten als solche hatte sich verändert.
Keiths Mutter war begeistert. Ihr Sohn war wie verwandelt. Unaufhörlich erzählte sie all ihren Freunden - denen es verständlicherweise nicht leicht fiel, es zu glauben, welche Wirkungen das Fischöl hatte. Dr. Puri selbst war von dieser Heilung so beeindruckt, dass er in einer bedeutenden psychiatrischen Zeitschrift1 einen Bericht darüber veröffentlichte. Ausserdem begann er mit der Arbeit an einer Studie - sie war noch nicht abgeschlossen, als ich diese Zeilen schrieb - , die sich mit der Wirkung von Fischöl auf die ernsteste und tödlichste aller Erkrankungen des Gehirns befasst: der Huntington-Krankheit.
In der Medizin muss man sich stets vor den so genannten anekdotischen Fällen hüten. Das heisst, man sollte nicht im Handumdrehen auf der Grundlage eines einzigen Patienten oder auch einiger Fälle, auch wenn sie noch so aussergewöhnlich sind, eine Theorie konstruieren oder eine Behandlung empfehlen. Jede viel versprechende neue Methode muss mit dem Effekt eines Placebos verglichen werden, und zwar in einer Studie, in der weder die Patienten noch die behandelnden Ärzte wissen, wer die als wirksam geltende Substanz erhält und wer das Placebo; man bezeichnet dies als kontrollierte Studie.
Nun veröffentlichte das American Journal of Psychiatry, die andere grosse internationale Zeitschrift für Psychiatrie, einige Monate nach dem Aufsatz von Dr. Puri eine kontrollierte Studie mit genau solchen Patienten, die wie Keith gegen alle Arten von Behandlungen resistent waren.
In Israel verglichen Dr. Nemets und seine Mitarbeiter die Wirksamkeit des gleichen gereinigten Fischölextrakts - die Äthyl-Eicosapentaensäure - mit einer entsprechenden Dosis Olivenöl (das trotz seiner nützlichen antioxidativen Eigenschaften kein Omega-3 enthält). Bei mehr als der Hälfte seiner Patienten, die bis dahin auf keine Behandlung angesprochen hatten, verschwand die Depression in weniger als drei Wochen. Damit war Dr. Puris eher anekdotische Beobachtung bestätigt. Inzwischen erschien in den Archives of General Psychiatry eine weitere (dieses Mal britische) Studie. Sie kommt zu den gleichen Ergebnissen und zeigt überdies, dass die ganze Palette von Depressionssymptomen mit Omega-3-Fettsäuren gebessert werden kann: Traurigkeit ebenso wie Antriebslosigkeit, Angst und Schlaflosigkeit, das Nachlassen der Libido wie Selbstmordneigungen.1 Eine Vorstudie zur Wirkung von mit Ester behandeltem Fischölextrakt (Äthylester) auf die Huntingtonkrankheit im dritten, fortgeschrittensten Stadium zeigt eine mehrmonatige Besserung der motorischen Symptome im Vergleich zur Kontrollgruppe,deren Mitglieder nur Placebos bekamen und deren Symptome sich deutlich verschlechterten. Sie weist auch auf eine Zunahme der Kortexmasse im Verhältnis zum Volumen der Ventrikel hin. Dies lässt auf einen Umkehrprozess auf neurologischer Ebene schliessen.
Eine weitere, ebenfalls in Harvard durchgeführte Untersuchung, die im American Journal of Psychiatry veröffentlicht wurde, erbrachte, dass die Einnahme von Omega-3 bei jungen Frauen, die "sehr launenhaft" waren, "oft die Kontrolle verloren" und es "schwierig und schmerzlich" fanden, Beziehungen einzugehen, zu einer deutlichen Besserung der depressiven Symptomatik und der aggressiven Verhaltensweisen führte. Mit Sicherheit wird es noch mehrere Jahre dauern, bis eine ausreichende Zahl von Studien dieser Art vorliegen. Da die Omega-3-Fettsäuren ein Naturprodukt sind, lassen sie sich nicht patentieren. Somit sind sie für die grossen Pharmafirmen, die die meisten wissenschaftlichen Studien über die Depression finanzieren, nicht von Interesse. Weitere Resultate deuten jedoch darauf hin, dass ein Zusammenhang zwischen Depressionen und zu niedrigen Werten von Omega-3 im Organismus besteht. So besitzen etwa deprimierte Patienten geringere Reserven an Omega-3 als gesunde Personen. Und je niedriger diese Reserven sind, desto ernster sind die Symptome. Was noch mehr beeindruckt: Je mehr Omega-3 in der üblichen Ernährung von Menschen enthalten ist, desto geringer ist Ihre Tendenz, deprimiert zu sein. Das passt zu einer grossen Untersuchung aus Finnland, die in den Archives of General Psychiatry veröffentlicht wurde. Demnach korreliert regelmässiger Fischkonsum (mehr als zweimal pro Woche) mit einem niedrigen Risiko für Depressionen und einer allgemein positiven Einstellung zum Leben. Und eine 2003 in den Niederlanden durchgeführte Untersuchung zeigte ebenfalls, dass Personen mit einer höheren Konzentration von Omega-3-Fettsäuren seltener an Depressionen erkrankten.

DIE ERNÄHRUNG DER ERSTEN MENSCHEN

Nach Ansicht einiger Forscher muss man, um die geheimnisvolle Wirkung von Omega3 - Fettsäuren auf das Gehirn und die Stimmung verstehen zu können, bis zu den Anfängen der Menschheit zurückgehen. Es gibt zwei Arten von "essentiellen" Fettsäuren: Omega-3 - in Algen, Plankton und in einigen Landpflanzen wie Gras enthalten - sowie Omega-6, die in fast allen pflanzlichen Ölen und im Fleisch vorhanden sind, vor allem im Fleisch von Tieren, die mit Getreide oder Tiermehl gefüttert werden.
Die Omega-6-Fettsäuren sind zwar wichtig für den Organismus, doch sie haben nicht die gleichen positiven Eigenschaften für das Gehirn und begünstigen Entzündungsreaktionen (Näheres dazu an späterer Stelle). Zu der Zeit, als sich das Gehirn des homo sapiens entwickelte, als der Mensch also zum Bewusstsein seiner selbst gelangte, lebte die Menschheit rund um die grossen Seen Ostafrikas. Der Zugang zu einem einzigartigen Ökosystem mit sehr viel Fisch und Krustentieren könnte der Auslöser für die ausserordentliche Entwicklung des menschlichen Gehirns gewesen sein. Man glaubt, die Ernährung dieser frühesten Menschen sei besonders ausgewogen gewesen, mit einem Verhältnis von 1:1 in der Zufuhr von Omega-3 und Omega-6. Dieses ideale Verhältnis dürfte dem Körper genau die Nährstoffe geliefert haben, die zur Produktion von Neuronen mit optimalen Eigenschaften nötig waren, was dem Gehirn völlig neue Kapazitäten vermittelte und so die Entwicklung von Werkzeugen, Sprache und Bewusstsein ermöglichte.
Auf Grund der derzeitigen Situation der Landwirtschaft und der Intensivhaltung, in deren Rahmen die Tiere eher mit Getreide als mit Wildgräsern gefüttert werden, und da alle industriell hergestellten Nahrungsmittel Pflanzenöle mit hohem Gehalt an Omega-6 enthalten, liegt in der westlichen Ernährung das Verhältnis Omega-3 zu Omega-6 zwischen 1:10 und 1:20. Um es mit einem Bild zu veranschaulichen: Man könnte das Gehirn mit einem Hochleistungsmotor vergleichen, der so konstruiert ist, dass er mit einem besonders ausgeklügelten Treibstoff optimal funktioniert, während wir ihn mit Diesel schlechter Qualität laufen lassen. Dies Missverhältnis zwischen dem, was das Gehirn benötigt, und dem, womit es heute in Europa wie auch in Amerika ernährt wird, könnte weitgehend erklären, weshalb Depressionen in den westlichen Ländern, wo man keine oder wenig Fische und Krustentiere verzehrt, so viel häufiger vorkommen als bei den Völkern Asiens, wo man sie gern und häufig isst. In Taiwan, Hongkong und Japan treten Depressionen bis zu zwölfmal seltener auf als in Frankreich, selbst wenn man die unterschiedliche Einstellung gegenüber Depressionen in asiatischen Ländern berücksichtigt.
Möglicherweise könnte dies auch die Geschwindigkeit erklären, mit der das Phänomen Depression sich seit fünfzig Jahren im Westen auszubreiten scheint. Heute nimmt man angeblich nur noch halb so viel Ornega-3 zu sich als noch vor dem Zweiten Weltkrieg. Und genau in diesem Zeitraum hat die Häufigkeit von Depressionen beträchtlich zugenommen. Der Überschuss von Omega-6 im Organismus löst Oxidationsprozesse und praktisch überall im Körper entzündliche Reaktionen aus. Alle schweren Erkrankungen, die im Westen auf dem Vormarsch sind, werden durch solche Entzündungen verschlimmert: Herzkreislaufkrankheiten - etwa Herzinfarkt und Gehirnschlag -, aber auch Krebs, Arthritis und sogar Alzheimer. Die Länder mit der höchsten Mortalitätsrate auf Grund von Herz- und Gefässerkrankungen sind auffallenderweise auch die mit der grössten Depressionsrate. Das lässt durchaus auf gemeinsame Ursachen schliessen.
Nun sind die sehr ausgeprägt positiven Auswirkungen von Omega-3 auf Herzbeschwerden und andere Krankheiten schon viel länger bekannt als jene, die man bei der Anwendung gegen Depressionen untersucht hat. Die erste grosse Studie zu diesem Thema veröffentlichten zwei französische Forscher in Lyon, Serge Renaud und Michel de Lorgeril. In einem Artikel in Lancet zeigten sie, dass Patienten, die eine mit Omega-3 angereicherte Diät einhielten (die so genannte mediterrane Ernährung), mit bis zu 76 Prozent geringerer Wahrscheinlichkeit Gefahr liefen, in den ersten zwei Jahren nach einem Infarkt zu sterben, als diejenigen, die sich an die Standardempfehlungen der American Heart Association hielten!
Wie mehrere Studien darüber hinaus zeigen, bewirkt Omega-3 unter anderem auch, dass die Variabilität des Herzschlags verstärkt und das Herz besser gegen Rhythmusstörungen geschützt wird. Da eine grössere Variabilität des Herzschlags vor Depressionen bewahrt (siehe Kapitel 3), kann man logischerweise davon ausgehen, dass Depressionen und Herzerkrankungen sich in jenen Gesellschaften parallel entwickeln, die den Fettsäuren aus Fischen in ihrer täglichen Nahrung nur wenig Platz einräumen.